Um dem alljährlich wiederkehrenden Umzugs - und Sitzungstumult zu entkommen, traf sich unsere kleine und sehr feine Gruppe am Morgen des 17.2.2007 am Frankfurter Flughafen. Unser Motto: Nichts wie auf in die Metropole schlechthin, die Stadt, die niemals schläft, New York City!
Nachdem wir alle die Einreise hinter uns gebracht hatten, kletterten wir in unseren Ford-Kleinbus und machten eine kleine Stadtrundfahrt, um einen ersten Eindruck von dieser unglaublichen Stadt zu bekommen. Wir fuhren vorbei am ständig überfüllten und blinkenden Time Square, durch den Broadway und die 42nd Street, durch Soho und Greenwich Village, vorbei am Central Park, Guggenheim und Metropolitan Museum. Und schließlich über die George Washington Bridge in unser Hotel (Hilton Fort Lee), das ca. 20 min. Autofahrt von Manhatten entfernt liegt. Dort gönnten wir uns zwei Stunden Pause, dann ging es weiter - zum ersten Sportlichen Event unseres Aufenthalts. Unser Weg führte uns nach Staten Island ins Coliseum, wo die New York Islanders auf die New Jeresey Devils trafen. Ein Eishockey Lokalderby, das für eine volle Halle und gute Stimmung sorgte. Dieser tat es dann auch keinen Abbruch, dass "unser" Team, die Islanders, eine 0:2 Niederlage einstecken mussten. Die Show war einmalig, denn wann bekommt man schon richtige Schlägereien auf dem Eis zu sehen und das gleich mehrmals, ohne dass ein Schiedsrichter eingreift?
Langsam forderten die Reise und der aufregende Tag jedoch auch ihren Tribut. Als wir endlich im Hotel angekommen waren, fielen uns die Augen zu und wir in unsere Betten! Selig und in freudiger Erwartung, was der nächste Tag bringen würde. 18.2.2007:
Unser erster Programmpunkt führte uns zu dem Wahrzeichen New Yorks schlechthin - die Freiheitsstatue, oder, wie die New Yorker sie liebevoll nennen, Lady Liberty. An der südlichsten Spitze Manhattens hat die Circle Line die Anlegestelle für ihre Personenfähren, die die Touristen zur Statute of Liberty und Ellis Island bringt. Ellis Island war die erste Station, die einreisende Immigranten zu Gesicht bekamen, denn hier wurden alle Formalitäten zur Immigration erledigt und hier war auch die Quarantänestation untergebracht. Kurzum ein Ort voller Amerikanischer Geschichte. Heute ist hier ein Museum, das an diese Zeit erinnert. Damit wir die Geschichte atmen konnten mussten wir uns, nicht das erste und auch nicht das letzte mal, anstellen und die, seit dem 11.September 2001 obligatorischen, Sicherheitskontrollen über uns ergehen lassen. Das nahmen wir allerdings gerne in Kauf. Eitler Sonnenschein, kein Wölkchen am Himmel und die Vorfreude versetzten uns in Hochstimmung. Da konnte uns selbst der schneidend kalte Wind nicht stören. Leider kann man seit dem 11.9.2001 nicht mehr die Lady Liberty selber erklimmen, sie bietet jedoch trotzdem einen imposanten Anblick. Und der Ausblick auf die Skyline von Manhatten ist auch zu ihren Füßen einfach grandios!
Zurück auf Manhatten wurden wir von zwei Straßenkünstlern empfangen, die uns mit ihrer akrobatischen Showeinlage ungläubiges Staunen entlockten. Wir hatten es nicht für möglich gehalten, dass Menschen sich so bewegen können und dann auch noch komödiantisches Talent besitzen.
Anschließend machten wir uns auf zum Ground Zero. Hier herrschte eine für New York ganz eigentümliche Stille. Die Stelle, an der das World Trade Center stand ist zwar von Bauzäunen umgeben, und daher nicht wirklich einzusehen. Trotzdem erschleicht einen eine Ahnung von den Schrecken, die dieser Ort gesehen hat. Nachdem wir einige Zeit dort verweilt hatten, bemühten wir uns, die betrüblichen Gedanken aus unseren Köpfen zu vertreiben, denn unser Programm war noch lange nicht "abgearbeitet".
Nächster halt: Financial District. Die Schluchten der Wolkenkratzer haben wohl seit ihrer Errichtung keinen Sonnenschein mehr gesehen, aber sind deshalb nicht umso weniger imposant. Als wir durch die Wall Street fuhren, fühlten wir uns alle ein wenig wie Gordon Gekko, obwohl es Sonntag und deshalb menschenleer war.
Langsam wurde es Zeit, etwas zu essen. Dafür haben wir uns eine weitere Sehenswürdigkeit New Yorks ausgesucht. Der Pier 17 ist ein zu einer schmucken Shopping-Mall umgebauter Pier im Hafen von New York. Wirklich sehenswert ist der zweite Stock, in dem sich mindestens ein Dutzend Stände befinden, die Essen aus aller Welt anbieten. Hier wird jeder satt. So einen Food-Court gibt es in jeder Mall Amerikas, aber nur hier gibt es den Blick auf die Brooklyn Bridge und den Hudson River inklusive. Total verglaste Fronten erlauben einen fantastischen Rundumblick und lassen einen das Imbißbudenfeeling ganz vergessen. Das Highlight unseres Tages wartete noch auf uns und zwar in China-Town. Der ganze Stadtteil war abgesperrt, denn die Einwohner von China-Town begingen heute ihren höchsten Festtag: das chinesische Neujahrsfest. Wir ließen uns von der fröhlichen Menge treiben, Konfetti und Glücksbotschaften auf unsere Köpfe regnen und bestaunten ekstatische Drachentänze. Ein einmaliges und unvergessliches Erlebnis!
Und weiter gings an einen anderen sehr bunten Ort, der auch ein Wahrzeichen New Yorks ist - der Times Square! Ununterbrochen blinken und glitzern die riesigen Reklametafeln, die für profane Gebrauchsgüter, aber auch für die unzähligen Musicals und Shows am Broadway und Off-Broadway werben. Das Auge kann sich gar nicht mehr beruhigen und wir wissen nicht, wohin wir zuerst schauen sollen. Spätestens jetzt sind wir uns, ob dieser Dimensionen, ganz sicher: ja, wir sind in Amerika!
Wir schlenderten noch einmal über den Times Square, ließen die Eindrücke auf uns wirken. Auf dem Rückweg zum Hotel machten wir noch Halt an der Grand Central Station. Dieser Bahnhof ist jedoch viel mehr als ein Bahnhof. Schon die imposante Eingangshalle vermittelt einem eher den Eindruck, man befände sich in einem Museum im Stile des Louvre, als in einem Bahnhof. Neben luxuriösen Geschäften findet man hier auch einen großen Food-Court. Neben allen möglichen Imbissständen, mit einem internationalen Angebot, ist die Oyster Bar eine Besonderheit. Sie genießt einen hervorragenden Ruf und wenn man keine Austern mag, dann kann man hier zumindest der Schickeria beim Schlürfen der Austern zuschauen.
Und so ging schließlich auch der zweite Tag zu Ende und wir sanken glücklich in unsere Betten.
19.2.2007:
Für diesen Tag hatten wir uns ein weiteres "must" von New York vorgenommen, wir wollten das Empire State Building erklimmen. Wie am Tag zuvor trübte kein Wölkchen den Himmel und der Wind tat nach wie vor sein Bestes, uns ins Gesicht zu schneiden. Also packten wir uns ein, schlangen einen Schal um den Kopf und trotzten dem Element. Und dafür wurden wir mit einem weiteren grandiosen Blick auf die Metropole aller Metropolen belohnt!
Um sich nach diesem Erlebnis aufzuwärmen, besuchte ein Teil unserer Gruppe das Renovierungen wieder eröffnete MOMA, das Museum of Modern Arts. Durch raffinierte Architektur kommt die außergewöhnliche Sammlung des MOMA erst richtig zur Geltung.
Der Rest der Gruppe unternahm einen Rundgang durch die Stadtteile Soho und Greenwich Village.
Soho ist bekannt für den sogenannten "Cast-Iron historic District", hier findet sich die dichteste Konzentration der markanten Gusseisenfassaden, die man aus Filmen kennt. Außerdem haben sich hier viele Künstler und Designer niedergelassen und Galerien und Geschäfte eröffnet. Einem ausgedehnten Bummel steht hier also nichts mehr im Wege.
Im Greenwich Village liegt die Christopher Street, hier fand die erste Gay-Parade statt, die man mittlerweile als Christopher Street Day in der ganzen Welt kennt. Auch die berühmten Village People, Väter des Songs YMCA, kommen hier her. Es ist also klar, hier hat die Schwulen Community von New York ihr Zuhause. Dementsprechend ist das Village ein sehr lebhaftes und buntes Viertel Man findet hier außergewöhnliche, schräge Geschäfte, unzählige Bars und Kneipen, in denen oft Live-Musik geboten wird, aber auch schicke, trendige Restaurants. Das perfekte Viertel, um sich einfach treiben zu lassen!
Und so sollte uns auch unser Abendprogramm in dieses Viertel führen. Zunächst stillten wir unseren Hunger in einem Restaurant, das weniger durch sein Essen, als durch sein Ambiente heraus sticht. Thema dieses Event-Restaurants ist Dr. Jeckyll und Mr. Hyde und dieses Konzept wird konsequent durchgezogen.
Um den Abend stimmungsvoll ausklingen zu lassen, begaben wir uns in die Arthur's Tavern, eine kleine Jazzkneipe, die mit grandiosen Live-Bands aufwartete. 20.2.2007:
An diesem Tag stand eine Busfahrt durch Harlem mit dem Ziel "The Cloisters" an. Hierbei handelt es sich um ein Gebäude, das aus mittelalterlichen Klöstern und Kapellen errichtet wurde, die, von John D. Rockefeller finanziert, für das Metropolitan Museum of Art aus Europa nach Amerika geschafft wurden. Es stimmt also nicht, dass in Amerika kein Gebäude älter als 500 Jahre ist! Im Innern beherbergt "The Cloisters" eine erlesene Sammlung mittelalterlicher Kunst. Erwähnenswert ist auch der Blick, der sich einem hier bietet. "The Cloisters" wurde auf einem Hügel direkt am Hudson River, inmitten des Fort Tyron Parks. Auf der einen Seite erstreckt sich der Fluß und man könnte vergessen, dass man sich überhaupt jemals in einer Stadt befunden hat. Auf der anderen Seite offenbart sich der Blick über die Bronx-eine Sicht von New York, wie man sie sonst kaum kennt.
Nach diesem Halt fuhren wir weiter, quer durch die Bronx aus der Stadt raus auf die City Island, eine kleine Fischerinsel, die direkt vor der Bronx im Atlantik liegt. Die Insel ist so klein, dass es nur eine Straße gibt, die quer über die Insel führt. Auch hier hat man das Gefühl auf dem platten Land zu sein. City Island ist ein Dorado für Liebhaber von Fisch und Seafood. So ließen wir uns gebratene Hummerschwänze und Calamari auf die Hand schmecken, bevor wir uns zurück ins Herz der Stadt begaben.
Unsere letzte Etappe für den Tag sollte der Central Park sein, bzw. die Museen, die East Side des Park, entlang der 5th Avenue säumen.
Man findet hier das Metropolitan Museum, das, im Stile des Louvre und ähnlichen Häusern, Kunstwerke von der Antike bis in die Moderne beherbergt. Unmöglich, alles an einem Tag zu besichtigen! Nicht weit entfernt von hier liegt das Solomon Guggenheim Museum. Das ausgefallene Gebäude des Guggenheim ist leider momentan hinter einem Gerüst versteckt, was der Ausstellung im Innern jedoch keinen Abbruch tut. Auch hier wirken Architektur und Sammlung zusammen. In der ständigen Ausstellung finden sich v.a. Werke der Moderne von Picasso über Manet bis hin zu Chagall.
Ein weiteres Kleinod an der "Museum Mile" ist die Frick Collection. Hier wird das Lebenswerk des Stahlmagnaten und Kunstmäzens Henry Clay Frick ausgestellt. In seinem ehemaligen Stadtpalais sammelte der Großindustrielle alte Meister, wertvolle Möbel, außergewöhnliches Porzellan und orientalische Teppiche. Zusammen mit der Architektur des Hauses ergibt sich so ein Gesamtkunstwerk, das einem nicht nur den unglaublichen Reichtum Fricks, sondern auch seinen erlesenen Geschmack eindrucksvoll vor Augen führt.
Erwähnung sollte auch das Whitney Museum of American Art finden. Dieses Museum zeigt zeitgenössische Werke amerikanischer Künstler in wechselnden Ausstellungen.
Nachdem wir so einen Nachmittag voll Kunst und Kultur verbracht hatten, wurde es Zeit für unser Abendprogramm voll Sport. Ein Spiel der New York Knicks gegen Orlando Magic im legendären Madison Square Garden. Selbst für Sportmuffel ein echtes Highlight! In einem ausverkauften Stadion wurden wir Zeuge, wie die Knicks nach langer Zeit endlich wieder einen Sieg erringen konnten. Neben dem Spiel war aber auch das Stadion selbst und die Knicks-Fans ein echt amerikanisches Erlebnis. Der Besuch eines Spiels ist hier eher eine Art Familienfest. Man trifft sich hier zum Socialising mit Freunden und Nachbarn. Nicht zu vergleichen mit der Atmosphäre in einem deutschen Fußballstadion. Ein letztes Mal traten wir den Heimweg in unser Hotel an. Nach einem Gläschen Bier an der Hotelbar ging auch dieser Tag zu Ende. 21.2.2007:
Heute sollten wir die Heimreise antreten, aber noch war es nicht so weit - unser Flieger sollte erst um 21.00 Uhr vom Kennedy Flughafen starten. Also stiegen wir noch einmal in unseren Bus und fuhren eine knappe Stunde Richtung Norden nach Central Valley. Denn dort auf dem Land, zwischen Idyllischen Vororten der Wohlhabenden, verbirgt sich ein Paradies für professionelle Shopper! Die Woodbury Outlet-Mall. Angelegt wie ein Dorf bieten dort alle namhaften Designer ihre Ware zu einem Bruchteil der Preise an, die sie in normalen Kaufhäusern kosten. Also griffen wir alle noch einmal beherzt zu und füllten all die Lücken, die sich noch hier und da in unseren Koffern auftaten. Glücklich, um einige Dollar ärmer und einiges an Kleidung reicher brachen wir nun schließlich Richtung JFK-Flughafen auf.
Nach einem ruhigen und ereignislosen Rückflug landeten wir am 22.2.2007 wieder in Frankfurt und eines ist uns allen klar - das war sicher nicht die letzte Reise, die wir in die Stadt, die niemals schläft, unternommen haben. Es gibt noch so viel zu entdecken ….
Autorin: Anne Keller